Eine schmerzliche Wahrheit ist besser als eine Lüge
(Thomas Mann)
 


Liebe Freunde und Freundinnen,

 

In unserem Intensiv-Seminar arbeiteten wir am Wochenende vom 30. Juli bis 1. August am Thema Mutter Erde.
Bei prächtigem Wetter konnten wir mit unserer Weiterbildungs-Gruppe einen wunderschönen Tag unter der riesigen, 350 Jahre alten Weisstanne im Dürsrütiwald oberhalb von Langnau verbringen.
Nachdem wir uns ein gemütliches Pic-nic schmecken liessen und uns in der Meditation mit dieser in die Jahre gekommenen Tanne verbinden konnten, stellten wir folgendes Thema auf: Was muss sich verändern, damit es Mutter Erde gut geht?
Sobald die Vertreterin von Mutter Erde in ihrer Rolle war, konnte sie nicht mehr stehen und fühlte sich durch eine grosse Last auf den Schultern bedrückt. Wir stellten Männer und Frauen als Repräsentanten der Menschheit dazu.
Von Anfang an standen die Frauen der Erde näher als die Männer. Lange Zeit konnten wir keinen Weg finden, wie wir die Erde unterstützen können. Die Lösung zeigte sich, nachdem die Frauen und  Männer anerkannten, was wir als Menschheit unserer Mutter Erde antun, wie wir sie missbrauchen und benutzen. Einmal mehr haben wir erlebt, dass es Männern im Gegensatz zu den Frauen, schwer fällt, sich einzugestehen, dass sie den Lauf der Welt nicht beherrschen. Nach Möglichkeit drücken sie sich um sieben Ecken herum, suchen einen Schuldigen oder sonst eine Ausrede, um sich aus der Verantwortung zu nehmen. Sich hinzustellen und zu seinen Fehlern zu stehen, ist fast unmöglich.

In den letzten Wochen habe ich immer wieder darüber nachgedacht, und es wurde mir im Nachhinein bewusst, dass mit Ausnahme der indianischen Kulturen, alle mir bekannten Gesellschaften mehr oder weniger vom Phänomen geprägt sind: Man(n) muss um jeden Preis das Gesicht wahren . Lieber nimmt man Heimlichkeiten und Lügen in Kauf. Zu einem Fehler oder einem Misstritt zu stehen und die Verantwortung dafür zu übernehmen, zerstört den Selbstwert eines Mannes zutiefst - und bedeutet seinen Untergang - glaubt er. Einige begehen in solchen Momenten sogar lieber Selbstmord oder werden zu Mördern, als dass sie sich einer schwierigen Situation stellen. Die Aufstellungsarbeit zeigt uns aber, dass Heimlichkeiten und Lügen jedes System schwächen und krank machen.
Gleichzeitig sehen wir in vielen Aufstellungen, dass das Offenlegen der Wahrheit, auch wenn sie schlimm ist, immer einen heilenden Einfluss auf das ganze System hat, und das Eingestehen von Fehlern oder Schwächen stärkend auf alle Beteiligten und ihr System wirkt.
Schmerzhaft ist das  Verschweigen und  Aufrechterhalten der Lüge und nicht der Misstritt.

Wie können wir annehmen, dass uns Lügen und Heimlichkeiten stärken, und die Wahrheit uns schwächt? So nach dem Motto: Was man nicht weiss, macht niemand heiss? Wie kann es geschehen, dass solche Wahrheiten in der breiten Öffentlichkeit und in den Schulen nicht diskutiert und gelehrt werden? Würden solche Gespräche in der Gewaltprävention nicht weiterhelfen?

Mehrere Wochen habe ich mich nach dem Seminar damit beschäftigt, ein wenig Ordnung in dieses verdrängte Chaos zu bringen. Auf meiner Webseite findest Du dazu ein 10-Seitiges Dokument unter dem Titel: Frauen und Männer . Du kannst es dort herunterladen:
http://www.wachsende-kreise.ch/downloads/frauen-und-maenner.pdf

Auf der Hofnarr-Webseite haben Paul und ich inzwischen bereits etliche Fragen beantwortet. Manchmal sind echte Herausforderungen dabei. Öfters arbeiten wir ein bis zwei Wochen an einer Antwort, bis wir alle wichtigen Informationen zusammengetragen und formuliert haben. Diese Arbeit macht uns grosse Freude. Die Besucherzahl der Webseite nimmt langsam aber stetig zu. Das freut uns natürlich. Wenn Du also Zeit und Lust hast, Dich mit den verschiedensten Themen auseinander zu setzen, findest Du unter Anderem Antworten zu folgenden Fragen:
Worum geht es bei Organtransplantationen? Wird die Welt besser? Was ist Liebe? Was ist der Sinn des Lebens? Um was geht es bei ISIS? ... usw.                 
http://www.hofnarr.org

Ich weiss natürlich, dass mein Herbstbrief für viele eine Herausforderung ist, allein dessen Länge strapaziert Dein Zeitvolumen, und der Brief bleibt bei vielen auf dem Schreibtisch liegen, bis er vergessen geht. Das kann ich verstehen. In unserer schnell-lebigen Zeit ist alles, was mehr als eine A4 Seite lang ist, bereits nicht mehr zu bewältigen.
Dies hat allerdings Folgen. Wir denken immer weniger in grösseren Zusammenhängen und suchen  nach kurzfristigen Lösungen. Die Indianer dachten für sieben Generationen. Bei uns ist es schon zu viel verlangt, für die eigene Generation zu denken.
In unserer Gemeinde und  in der ganzen Schweiz, müssen zum Beispiel die Schiessanlagen saniert werden. Die Sanierung einer Scheibe kostet uns 20 000.- bis 25 000.- Franken. Die meisten Verursacher der Vergiftungen sind bereits gestorben. Dennoch gelangt das Blei und andere Schwermetalle weiterhin in den Boden, ins Wasser, dadurch in unsere Körper und verursachen grosse Schäden.
Oder die Flüchtlingswelle, die uns überrollt. Da wäre es an der Zeit, darüber nachzudenken, was in den Heimatländern der Flüchtlinge in den letzten 300 Jahren geschehen ist. Warum diese Menschen ihre gewohnte Umgebung verlassen und sich den Gefahren einer Flucht aussetzen. Was haben wir als weisse Rasse dazu beigetragen? Wer hat in diesen Ländern die alten Strukturen und Lebens- grundlagen zerstört und ausgebeutet? Wer hat die Menschen durch Landkauf von ihrem Boden vertrieben?  Wer hat Kriege angezettelt, finanziert und von diesen Kriegen profitiert?
All diese Fragen haben uns im letzten Jahr beschäftigt. Auch dazu findest Du viele Antworten auf der Webseite des Hofnarren. Dazu zwei Zitate von Bazon Brock: Die Vergangenheit ist die bedeutendste Grösse die es überhaupt gibt. Die Historischen Fakten müssen als Wirkgrössen anerkannt werden.

 Ich wünsche Dir und uns Allen inneren Frieden und Freude.

Ganz herzliche Grüsse, Elsi 

 

Bärau, im September 2016